Wie mich das Knöpfchen verändert

.. und dabei ist das kleine Knöpfchen noch gar nicht auf der Welt. Dennoch hat sich in den letzten Monaten nicht nur körperlich, sondern auch seelisch ganz schön verändert. Natürlich war ich zu Beginn der Meinung, dass sich vieles ändern wird. Dass sich aber so viel ändern wird, habe ich unterschätzt. Für euch gibt es heute einen kleinen Einblick in sieben Monate meiner Schwangerschaft. 

Der Körper

Es ist nicht nur der Bauch, der wächst (in manchen Situationen wäre ich dafür sehr dankbar, wenn es das Einzige wäre, was wächst). Ich würde aber sagen, dass es die schönste Körperregion während der Schwangerschaft ist. Zu sehen, wie klein der Bauch am Anfang war und nun immer größer wird. Die Blicke beim Vorbeigehen in den Spiegel sind nicht eitel oder arrogant, sondern bereiten ein wunderbares Gefühl. Die Draufsicht von oben ist auch ganz toll, vor allem wenn sich das Knöpfchen austobt.

Während andere Schwangere über wachsende Haare an allen Stellen des Körpers mehr oder weniger erfreut sind, gebe ich mich dem hin und bin froh, dass ich mir gerade im Sommer das Rasieren einfach mal sparen konnte (lange und lockere Stoffhosen sind eh das Beste, wenn man sich nicht gerade wohl fühlt). Ich hatte eher Probleme damit, dass ich mich, bei einer eh schon großen Oberweite, am Anfang über den Kauf größerer BHs ärgerte. Ach – und wir sind ja noch nicht am Ende des Wachstums. 

Meine körperliche Fitness fuhr spätestens im Urlaub im Juni/Juli schon einen Gang runter. Zügiges Laufen, dem Bus hinterher rennen oder bergab gehen, lösten beim Knöpfchen Unwohlsein aus. Mir zog es ziemlich deutlich im Unterleib und meine Atmung klang sehr flach und kurz – ähnlich wie beim Hund. Inzwischen bin mit dem Bauch soweit, dass ich mich nicht mehr gerne bücken möchte. Es zwickt an der „Knickstelle“ und selbst das „richtige“ Bücken in und aus der Hocke heraus ist einfach doof. Und Schuhe anziehen und binden. So albern es die Umstehenden finden, ich bin doch nur 3 Monate in diesem Zustand und wenn man doch einen so tollen Herzensritter hat, darf man sich das doch auch mal gönnen, dass er sie mir anzieht. Und man möchte auch nicht immer mit „Schlüpfschuhen“ ausgehen. 

Emotionen habe ich. Empathie habe ich auch. Ich habe es aber unterschätzt, wie intensiv(er) sie in der Schwangerschaft sind. Ich war nicht darauf eingestellt im Baumarkt zu weinen, weil die Wandfarbe ausverkauft war, die wir ein zweites Mal brauchten. Sehr peinlich, aber es scheint eine gute und lustige Short-Story in der Gesellschaft zu sein. Abgsehen davon gibt es für mich gute und „nicht-so-gute-Tage“. An den nicht so guten Tagen scheiter es an meiner Entscheidungsfähigkeit und zweifele an mir selbst – Bratwurst oder Suppe? UND ICH KANN ES IN DIESEM MOMENT NICHT ENTSCHEIDEN. Ein furchtbares Gefühl. Gut, dass es diese Tage nicht in der Überzahl gibt. Wichtig: Manchmal reicht es einfach, wenn jemand die Arme aufhält und nichts sagt und dich in dem Moment so nimmt wie du bist – weinend und verzweifelt. 

Das Denken

„Wenn ich Kinder habe, werde ich das so und so machen […].“ Während der Schwangerschaft: „Ich werde sehen, was mein Kind braucht […].“ oder „Mir ist das sehr wichtig, dass […]!“ Was soll ich dazu sagen. Ich gebe zu, dass ich mir Gedanken über etwas mache, was für mich sehr wichtig ist, aber über etwas das Umfeld belächelt wird, vielleicht auch übertrieben empfunden wird. Angefangen von der Ernährung – was darf man als Schwangere überhaupt essen und was nicht – bis hin zum Hochstuhl, der doch bitte Schultergurte hat. Am Anfang war ich ziemlich verzweifelt als mir die Ärztin aufzählte, was ich nicht essen dürfte. Ab der Hälfte der Schwangerschaft lockerte sich das und habe mir auch etwas gegönnt, von dem mir abgeraten wurde. 

Sicherheit geht vor. Als Erzieherin ist man gefühlt auf alles vorbereitet, aber verhindern lässt es sich manchmal trotzdem nicht. Während der Herzensritter mich seltsam anschaut, wenn ich davon spreche, das die Streben auf der Wickelablage zu niedrig sind und einfach nur zwei Metalstangen sind, denke ich im Kopf an meine selbstgezimmerter Konstruktion. Denn diese Streben sind niedriger als die Wickelauflage, die auf dem Tisch liegt. Für mich eindeutig eine Gefahrenquelle. Leider bin ich da „kitabelastet“. Ähnlich geht es mir auch beim Hochstuhl. Es sind Sicherheitspunkte, über die ich gar nicht diskutieren oder mich rechtfertigen will, weil sie mit wenig Aufwand und Geld beeinflussen lassen. In Watte packen kann ich das Kind eh nicht, aber bei alltäglichen Gebrauchsgegenständen bin ich sehr bedacht, dass es auch sicher ist. 

Löwenmama :) . Wenn man ein Kind erwartet, so dreht sich plötzlich alles nur darum, dass es einem gut geht und man nur das Beste für das Kind möchte. Ich habe niemals gedacht, dass sich schon vor der Geburt das Herz einer Löwenmama entwickelt. Jeder Ratschlag, das Kind nicht mit Kuscheln zu verwöhnen und auch mal schreien zu lassen tut jetzt schon weh. Denn sind wir mal ehrlich: man selbst freut sich so darauf und nichts ist schöner als dieses Gefühl zu erleben, wie es ist, wenn es das Kind da ist. Ich bin ehrlich, ich kann da sehr schlecht drüber hinweg sehen und „jaja“ sagen. Durch die Ausbildung und die Arbeit weiß ich, was im Kopf eines kleinen unbeholfenen Würmchen vor sich geht. Und es ist furchtbar, wenn man weiß, dass Weinen auch gleichzeitig Stress für das Kind bedeutet. Und wer von uns hat schon gerne Stress auf Arbeit? Die Quittung kommt, wenn man sich dem zu lange aussetzt und diese Zeit kommt leider früh genug für Kinder. 

Wie komme ich damit zurecht?

Meine Oma hat mir gesagt: „Vanessa, es gibt kein richtig und kein falsch. Ihr werdet das schon machen und der Erna wird es gut gehen!“ Und meine Oma ist eine Generation älter als meine Mutter (logisch). Und ich bin ihr dankbar, wenn ich (ehrliche) Erfahrungsberichte aus ihrer Zeit bekomme, wenn ich danach frage und nach ihrer Meinung bitte. Omas Satz ertönt mir immer im Ohr, wenn ich über den Tiefpunkt hinweg bin. Ihr werdet nicht drum herum kommen, dass es Freunde und Familie gibt, die ihre Wünsche, Ratschläge oder Zweifel ohne eure Nachfrage einfach hinausposaunen. Ich lerne es gerade, darüber hinwegzusehen und einfach meinen Klugscheißermodus auszuschalten (Ratschlag meines Herzensritters). Und da merke ich jedenfalls, wie stark das Herz für das Knöpfchen lebt und kämpft. Körperlich Abhilfe schaffe ich mir mit meinem Freiraum und den Hobbys, die entspannend sind: Nähen, Häklen, Stricken oder einfach mal ein paar Filme reinziehen. Und wenn ich zum Frühstück Currywurst essen möchte, mache ich das einfach. Geht es mir gut, geht es dem Knöpfchen auch gut. Und die anderen körperlichen Veränderungen nehme ich einfach hin – ändern lässt sich daran vorerst eh nichts.

One thought on “Wie mich das Knöpfchen verändert

  1. Ich habe beide Schwangerschatfen so sehr genossen. Das war am Anfang aber auch nicht wirklich leicht. Klar, ich war auch viel mit Überlegen beschäftigt, allerdings auch sehr genervt von den vielen Ratschlägen, die von außen kamen. Letztendlich haben wir ja dann doch bei beiden Kindern aus der Situation heraus entschieden, weil beide Kinder auch sehr unterschiedlich sind und das weiß man im Vorfeld ja nicht. Wer weiß, wie dein Knöpfchen sein wird :)

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