Ein Spaziergang durch den Wald und ich weiß mehr

Vanni WaldDie Welt fasziniert mich jeden Tag aufs Neue. Gerade erst der Sonntagsspaziergang im Kottenforst, der quasi fast vor der Haustür steht, erfüllte mich mit Freude überhaupt vor Ort gewesen zu sein. So erging es mir in den vergangenen Monaten nicht oft.

Ihr wisst, dass ich auf gutem Wege bin eine Erzieherin zu werden. Mit 15 Jahren war ich mir sicher, dass es für mich kaum etwas Schöneres gibt, als für Kinder erreichbar und da zu sein. In der Ausbildung erkannte ich meine Stärken und Schwächen. Die Stärken lebte und lebe ich weiterhin in dem aus, was ich gut kann – logisch. Meine Schwächen akzeptiere ich und versuche daran zu arbeiten. Ich weiß also, was ich kann und was ich nicht kann. Ich weiß auch, wie ich bin und wie ich nicht bin – normalerweise.

Nun erging es mir in den ersten Wochen des Anerkennungsjahres so, dass ich ganz genau wusste, was ich will und was ich nicht will. Ich steckte aber genau in dem „DAS will ich nicht“. Ich habe mir nicht die „richtige“ Einrichtung ausgesucht und war daher viel gefrustet, wütend und traurig. Gefrustet, weil ich nicht wahrnehmen konnte, dass ich mit meinen Ideen, meiner Persönlichkeit gefragt bin. Wütend, weil ich mir nicht die Zeit genommen habe, die Einrichtung vorher ausreichend kennenzulernen und traurig, weil ich noch nie solche Angst empfand mit Kindern in Kontakt zu kommen. Sieben Wochen lang quälte mich der Gedanke, wie ich mit den Kindern umgehe. Oft wurde meine Art und Weise, wie ich mit Situationen und den Kindern spreche kritisiert. Ja gut, ich arbeitete daran und immer mehr fuschte ich an meiner Persönlichkeit herum so zu sein, wie ich nun wirklich gar nicht bin. Die Nebenwirkungen bekam ich sehr früh zu spüren. Von Heimweh zu Menschen, die mich nehmen, wie ich bin. Und bis zur Verachtung meiner Selbst. Danke, dass ich darauf auch mal gestoßen bin. Nachdem ich dann auch erfahren durfte, dass ich selbst an meinen Fähigkeiten zweifle und mir dann noch entgegengebracht wurde, dass ich wohl keine Erzieherin werden sollte war für mich klar, dass ich so definitiv nicht weiter machen möchte. „Das Leben ist kein Wunschkonzert, Vanessa“. Ja, das weiß ich. Aber ich habe mein Leben in der Hand und es bedarf auch an Fehlentscheidungen, um letztendlich zu wissen, was man will und was nicht. Und ich denke, dass das nichts mit einem Wunschkonzert zu tun hat. Schließlich war ich am Ende doch viel unterwegs, um noch eine freie Stelle zu bekommen, mit der ich jetzt mehr als zufrieden bin – doch harte Arbeit. Ich war wie ausgewechselt und hatte wieder Freude Frühs aufzustehen und in den Kindergarten zu gehen. Ich bringe neue Ideen und Motivation mit und ich bin am Abend so positiv erschöpft, weil die Kinder von mir alles in Anspruch nehmen, was ich zu bieten habe.

Mit dem Spaziergang mit dem Herzensritter im Wald war ich auch wieder erfreut diese Zeit genießen zu können und nicht daran zu denken, dass ich morgen wieder eine andere Person sein muss. Mit dem Wechsel in eine andere Einrichtung kommt auch wieder das starke Bedürfnis euch mit neuen Ideen, Rezepte, Texte und Bildern zu versorgen. Fürs erste sind es Bilder vom Spaziergang im Wald. Und bald wird es auch wieder etwas mehr sein.

2 thoughts on “Ein Spaziergang durch den Wald und ich weiß mehr

  1. Es kommt mir Stellenweise doch sehr bekannt vor. Gerade die ersten praktika waren nicht so toll, bzw. es ging um Hospitationen und Einrichtunegn und Ausbildungsstelle hatten unterschiedliche Definitionen davon…nun ja…
    Zwischendrin legte mir einer meiner Lehrer dann auch nahe die Ausbildung abzubrechen, weil ich einfach ein viel zu ruhiger Mensch wäre. Wenn der wüsste, wieviele meiner Kollegen und der Kinder genau diese Eigenschaft später an mir zu schätzen wussten.
    Schön, dass du einen Weg aus diesem Strudel rausgefunden und dich nicht hast unterkriegen lassen!

    1. Bei der Kommunikation zwischen der Einrichtung und der Ausbildungsstelle scheint es allgemein nicht so gut zu funktionieren.
      Aber dass andere sich überhaupt erlauben jemanden ans Herz zu legen, kein Erzieher bzw. den Wunschberuf auszuüben.. das gehört sich einfach nicht. Weder von einem Lehrer noch von der Leitung der Einrichtung. Ich finde es schön, dass du deinen Weg trotzdem gegangen bist und ich, dass ich auf dem „richtigen“ Weg gewechselt habe. ;)

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